Brennpunkt Mais

Brennpunkt Mais  oder „…im Dietenbach sind eh‘ nur Mais Äcker“- was steckt dahinter?

Mais, eine Pflanzenart innerhalb der Süßgräser, stammt ursprünglich aus Mexiko. Er nimmt in der Weltgetreideernte mit einer Milliarde Tonne vor Weizen und Reis den ersten Platz ein. Hier entstand in den letzten Jahren eine riesige Nachfrage: als Tierfutter (Futtermais, Silage),  Energiemais (Biogasanlagen), und immer öfters als Maisstärke, ein nachwachsender Rohstoff für die Herstellung von biobasierten Kunststoffen.

Warum pflanzen wir Mais an?

Ganz einfach – weil uns die Aufkäufer für Mais einen weitaus höheren Preis bezahlen als für anderes Getreide. Der Welthandel, die internationale Nachfrage, die Märkte, alles beeinflusst Nachfrage und Angebot.

Klar ist, wir Ackerbau Landwirte könnten nur mit den derzeitigen Erlösen aus Weizen, Gerste oder anderen Getreidesorten nicht überleben.

Wieviel Mais wird im Dietenbach angepflanzt?

Hier wird beim Anbau jährlich Fruchtwechsel betrieben.  Die betroffenen 169 ha Dietenbachflächen bestehen zu je einem Drittel aus Wald und Wiesen, Getreide und anderes (Kürbis, Sonnenblumen) und Mais.

Monokultur im Dietenbach?

Wir haben hier im Süd-Westen kleinteilige Landwirtschaft mit abwechslungsreichen Feldern.  Riesige Anbauflächen wie in der Kornkammer der USA oder, schon viel kleiner, im Osten Deutschlands gibt es hier nicht!

Die  Aussage „…im Dietenbach sind eh‘ nur Maisäcker“ kann nur von Menschen kommen, die noch nie im Gewann Dietenbach waren! Fahrt doch mal durch, schaut euch diese Landschaft mal mit eigenen Augen an!

Mais, Bienen und Blühstreifen

Laut Peter Rosenkranz (Hohenheim; mais 1/2009) ist „…die Pollenmenge während der Maisblüte nicht zu unterschätzen und ist vor allem in einem Zeitraum verfügbar (Ende Juni – Anfang August), in dem andere Pollenquellen meist kaum vorhanden sind. In vielen Regionen stellt Maispollen im Spätsommer die wichtigste Eiweißquelle für die Bienenvölker dar, auf die kaum verzichtet werden kann…“

Der Maisanbau ist also wichtige saisonale Nahrung für die Bienen! Zusätzlich pflanzen wir vermehrt Blühstreifen, um den Bienen und anderen Insekten qualitätsvolle Nahrung anbieten zu können.

Da läuft was schief…

Der Erlös landwirtschaftlicher Produkte ist oft nicht einmal kostendeckend.  Würden uns die Abnehmer gerechte Getreidepreise bezahlen, würde der Maisanbau sicherlich zurückgehen. Wenn wir für alle Getreidesorten einen ähnlichen Preis bekommen würden, wären die Äcker sicher noch abwechslungsreicher als jetzt.

Wenn wir als Landwirte überleben wollen müssen wir vor allem aber auch Getreide mit möglichst hohem Erlös anbauen, also Mais. Dieser Zustand zieht sich aber durch die gesamte Landwirtschaft durch: würden die Milchbauern einen höheren Preis für ihre Milch bekommen, hätten sie statt 200 vielleicht nur 100 Milchkühe im Stall. Würden die Viehzüchter mehr Geld für ihr Fleisch bekommen, könnten sie auch mit vielleicht der Hälfte der Tiere wirtschaften und diese hätten mehr Platz und bessere Stallbediengungen.

Wir wollen hier nicht klagen, aber die Realität ist:

seit Jahrzehnten erhalten wir Landwirte immer weniger Erlöse für alle unsere Produkte bei gleichzeitig ständig steigenden Erzeugerkosten. Daher gilt zu unserem Leidwesen manchmal: wachsen oder weichen!

Die Leidtragenden: wir ALLE, die Tiere, die Landschaft, die Natur, die Umwelt.

Auswege?

Der Ausweg: schwierig im Gesamten, möglich derzeit wohl nur im Einzelnen! Aber,  je intelligenter der Endverbraucher einkauft, je mehr können wir alternative Produkte anbieten. Und wir alle müssen mehr politischen Druck erzeugen, die Landwirtschaft wieder auf gesündere wirtschaftliche Beine zu stellen.

Aber wichtig zu bedenken: jeder Maisacker ist umwandelbar und kann zum Getreideacker oder wieder zur Wiese  werden. Einmal versiegelte Bodenfläche jedoch ist unwiederbringlich für Alle verloren!